
"Für eine Eiche sind 100 Jahre nichts"
Glatten. In 100 Jahren hat sich bei der Firma Schmalz in Glatten viel getan – von der Rasierklingenfabrik zum Marktführer in der Vakuum-Technik. Sein Jubiläum feierte das Unternehmen gestern im 16 Millionen Euro teuren Neubau im Beisein vieler Gäste.Zu den namhaften Gratulanten gehörte auch Landesumweltministerin Tanja Gönner, die in ihrer Festansprache die Nachhaltigkeit des schwäbischen Unternehmens würdigte. Gekommen waren außer Vertretern aus Politik und Wirtschaftsverbänden viele Kunden, Lieferanten, Dienstleister sowie Vertreter der Niederlassungen weltweit.
Kurt Schmalz, geschäftsführender Gesellschafter, hob hervor, dass die Firmengeschichte des Familienunternehmens davon geprägt sei, dass man stets in der Lage war zu erkennen, wann es Zeit für neue, zukunftsträchtige Produkte war. Die Erneuerungsfähigkeit sei allen in Fleisch und Blut übergegangen. Von Kindesbeinen an seien er und sein Bruder Wolfgang Schmalz es gewohnt gewesen, im Unternehmen mitzuhelfen. Kurt Schmalz betonte, dass neben der Innovationskraft auch der Umgang mit den Mitarbeitern – Gewinnbeteiligung, Mitarbeiterbeirat – sowie eine hohe Ausbildungsquote von 14 Prozent den Erfolg des Unternehmens kennzeichneten. Bei Schmalz habe man sich die nachhaltige Unternehmensführung – in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht – auf die Fahnen geschrieben. Von der Krise sei Schmalz nicht verschont geblieben, räumte er ein, aber es sei gelungen, den Umsatzrückgang mit einem positiven Ertrag zu überstehen und die Stammbelegschaft an Bord zu halten. "Stand heute sind wir annähernd wieder auf dem Umsatzniveau von 2008 – dem besten Jahr unserer Unternehmensgeschichte."
Geschäftsführender Gesellschafter Wolfgang Schmalz zog einen Vergleich zwischen einem Baum und dem Familienunternehmen – "ein solches wollen wir bleiben. Liebe Kinder, wir rechnen mit Euch". "Für eine Eiche sind 100 Jahre nichts", betonte er. Schmalz sei fest verwurzelt, also standorttreu. Langsames, gesundes Wachstum des Stamms bringe Stabilität. Die Äste reichen bei Schmalz mit seinen Niederlassungen in 16 Länder. Der jährliche Blätterwechsel stehe für kontinuierliche Verbesserung. Hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein resümierte Wolfgang Schmalz: "Heute sind wir ein Positiv-Energie-Unternehmen. Wir erzeugen mehr Energie aus regenerativen Quellen, als wir selbst verbrauchen."
Einen unterhaltsamen, kurzweiligen Einblick in die Firmengeschichte – "100 Jahre in 15 Minuten" – gab Rainer Lächele, der in fünf Jahren die Firmengeschichte im Archiv aufgearbeitet hatte. Am Anfang habe ein gebrochenes Versprechen gestanden: Johannes Schmalz habe für ein Unternehmen in Schramberg eine Maschine zur Produktion von Rasierklingen konstruiert, doch die versprochene Belohnung des Chefs sei ausgeblieben. Also kaufte Johannes Schmalz eine Ölmühle in Glatten und baute dort eine dynamische Rasierklingenfabrik auf. 1918 dann der Rückschlag: Die Firma brannte bis auf die Grundmauern nieder. Doch Johannes Schmalz ließ sich nicht beirren, nur vier Wochen später begann er wieder mit Konstruktion und Produktion. Neben Rasierklingen wurden auch landwirtschaftliche Produkte verkauft – ein weiteres Standbein in schwierigen Zeiten. Nicht einfach sei es für den Firmengründer in den 30er und 40er Jahren gewesen – es habe Spannungen mit den Nationalsozialisten gegeben, so Lächele. Doch bald schon stammte jede 20. verkaufte Rasierklinge in Deutschland aus Glatten. 1946 starb Johannes Schmalz, und Sohn Artur übernahm das Ruder. Schäden aus dem Krieg und der Vormarsch des Elektrorasierers machten den Start nicht einfach. Doch Artur Schmalz bewies Wandlungsfähigkeit, entwickelte den Schmalz-Kipper, einen Anhänger für die Landwirtschaft, Transportgeräte für Post und Bahn sowie Flugverkehr kamen hinzu, dann der Lacktrockenwagen für die Möbelindustrie.
1984, wieder am Scheideweg, übernahm Kurt Schmalz die Firmenleitung und stieg in die Vakuumtechnologie ein. 1990 folgte sein Bruder Wolfgang Schmalz ihm ins Unternehmen. Heute gehört Schmalz zu den Marktführern in der Vakuumtechnologie.
Davon konnten sich die vielen Gäste bei Firmenrundgängen ein Bild machen. Und darauf machten die Gratulanten und Festredner, allen voran Tanja Gönner, immer wieder aufmerksam. Ein Unterhaltungsprogramm, unter anderem mit der A-cappella-Gruppe "SomeSing Beautiful", und ein Festessen boten einen schönen Rahmen für eine gelungene 100-Jahr-Feier – mit Ausblick, wie Historiker Rainer Lächele betonte, auf weitere 100 erfolgreiche Jahre.
Die Firma Schmalz mit Hauptsitz in Glatten hat heute 16 Auslandsniederlassungen und ist in mehr als 40 Ländern vertreten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 600 Mitarbeiter. Zum Portfolio zählen Produkte und Dienstleistungen aus der Automatisierungs-, Handhabungs- und Aufspanntechnik.
Quelle: Schwarzwälder Bote


